Nicaragua / El Jícaro, Nueva Segovia (Dez 2025 / Jan 2026): Familie, Begegnungen, Erinnerungen und viele kulinarische Köstlichkeiten

Vom 18.12.2025 bis 10.01.2026 reisten wir – Aura, ich und unsere beiden Teenager Maia und Lucas nach Nicaragua. Nachfolgend ein kurzes Reiseprotokoll mit einigen Impressionen.

Fangen wir von hinten an: Als wir wieder in Deutschland ankamen, war da zuerst dieses Gefühl von
„Wie bitte haben wir das geschafft?“
Von Frankfurt nach Potsdam, Auto, tiefster Winter und ein Sturm, der über Deutschland fegte. Wir sind am Donnerstag, den 08.01., wieder in Deutschland angekommen; wobei unsere Seelen vermutlich noch irgendwo über dem Atlantik hängen (Stand 11.01.26). Ich wollte das gleich vorausschicken, weil es den Ton setzt: Diese Reise war wunderschön und gleichzeitig anstrengend.


Anreise: zwei Wege, ein Ziel

Wir sind am 16.12. von Frankfurt nach Costa Rica geflogen. Aura und die Kinder fuhren unmittelbar weiter und nahmen den „Nicabus“ nach Nicaragua. Nach zwölf Stunden Flug und zwölf Stunden Busfahrt kamen sie irgendwann am 17.12. in Masaya an. Vor allem der Grenzübertritt in Peñas Blancas war für sie sehr anstrengend.

Ich konnte es langsamer angehen lassen. Als Prothesenträger wusste ich, dass mir diese Fahrt nach dem Flug zu viel werden würde. Zwei Nächte durfte ich bei Auras Schwester Damaris in San Pablo de Heredia (Costa Rica) bleiben. Dort wurde ich vorzüglich bewirtet und hatte eine sehr gute Zeit mit Damaris – mit tollen Gesprächen und fantastischem Essen.

Gutes Essen und guter Kaffee, kombiniert mit intensiven Gesprächen, zogen sich wie ein roter Faden durch unsere gesamte Reise.


Flug nach Managua – ein Abenteuer für sich

Am 18.12. ging es für mich mit Sansa Airlines in einer kleinen Cessna von San José nach Managua. Der Flug über den costa-ricanischen Regenwald, den Lago de Nicaragua und die vielen Vulkane war für mich unvergesslich.

Die beiden Nonnen neben mir beteten während des gesamten Fluges und kurz fühlte ich mich dem Himmel sehr nah.

Am Augusto-César-Sandino-Airport traf ich Aura und die Kinder wieder. Mit unserem großartigen Fahrer Alex aus El Jícaro ging es im riesigen Nissan-Pickup direkt in den Norden nach El Jícaro / Nueva Segovia.

Nicaragua hat sich stark verändert: kaum noch sichtbare Armut, neue Geschäfte, bessere Infrastruktur, neue Straßen, wachsende Orte, das freute mich sehr.

Ab dem Nachmittag des 18.12. waren wir dann in Auras Heimat, im Elternhaus bei ihrer Mutter Marcelina.


Volles Haus, herzliche Begegnungen

Am 20. Dezember stand plötzlich die Familie Loymann aus Miami vor der Tür: Sebastian, Araceli, Loymann Junior und Loymann Senior – der Cousin von Aura , mit ihnen auch Damaris. Das Haus füllte sich schlagartig.

Für mich war das zunächst herausfordernd. Ich bin es nicht gewohnt, so viele Menschen dauerhaft um mich zu haben. Im Nachhinein war es aber unglaublich schön: viele Gespräche, Begegnungen und kleine Momente, die man nicht planen kann – die aber bleiben.

El Jícaro war voller Weihnachtsdeko. Nicaragua liebt Weihnachten, sogar riesige Nussknacker standen in den Straßen.


Essen und Glück

Es gab so viele Mahlzeiten, dass man irgendwann nicht mehr zählt, sondern nur noch erinnert.

Eine der besten Speisen war eine Rindsuppe mit Quequisque, Malanga und Yucca. Die Küche wurde zum Mittelpunkt des Hauses und der Familie.


Doña Marcelina verkauft Charamuscas, selbstgemachtes Eis. Und dann dieses Running-Gag-Thema mit den Schokobananen: ständig kommt jemand vorbei; aber diesmal gab es keine.

Frühstück: Gallo Pinto, Tajadas, Eier – dazu im Café dieses fantastische Fresco de Nancite.

Am schönsten fand ich das Sitzen auf der Veranda in den Schaukelstühlen, während das Leben an uns vorbeizog.


Zwischen Alltag, Ritualen und Hühnern mit Namen

SIM-Karten organisieren (Claro, Tigo), Guthaben an der Tankstelle laden, riesige Nussknacker fotografieren; Alltag eben. El Jícaro wächst, wirtschaftlich getragen von Mine und Kaffeehandel. Toyota Hilux überall, ein Zeichen dafür, dass es den Menschen besser geht.

Am 22.12. wurde ausgeräuchert – Männer mit Geräten wie Laubbläsern gegen die Sancudos (Mücken).

Und dann waren da die Hühner: Die Kids tauften sie. Unsere „Rettungspetition“ blieb erfolglos, sie landeten im Kochtopf.


Am 23.12. wurde zusätzlich ein Schwein geschlachtet.


Café-Farm, Fritanga und Wandel

Ausflug zur Café-Farm von Auras Tante Aura Lila. Rohkaffee wurde zum Trocknen ausgelegt.

Einmal Fritanga , einmal nett, einmal zu voll und zu vile Betrunkene. Nicaragua kann herzlich und chaotisch zugleich sein.

Am 24.12. fuhr ein Weihnachtsschlitten auf einem LKW durch den Ort. Motorräder überall: vor der Polizeiwache türmten sich konfiszierte Maschinen.


Heiligabend

Truthahn, unendlich viel Essen – ein Tisch voller „zu viel“.
Die Bescherung fand am 25. morgens statt: US-Style.


Jalapa, Tabakfelder und ein kaputter Baseballschläger

Am 26.12. nach Jalapa , eine Stunde nördlich, vorbei an Tabakfeldern. Kaum wiederzuerkennen.

Ein ganz besonderer Dank geht an Lenard, Auras wunderbaren Bruder. Er hat mich so herzlich empfangen und wir sind gemeinsam mit ihm nach Jalapa gefahren. Diese Fahrt und seine Fürsorge werde ich nicht vergessen.


Eines von vielen chinesischen Kaufhäusern, ein Baseballschläger für Said, aus Aluminium, nach einmal Spielen kaputt.


Neue Leute, lange Abende und ein Grill aus einer Autofelge

Am 27.12. lernte ich Ronaldo und Rolando kennen, ihres Zeiches Zahnarzt und Barbetreiber. Gegrillt wurde auf einem Grill aus einer Autofelge – ein Abend, der bleibt.

Am 28.12. Tomahawk-Steaks, Gespräche, Gemeinschaft.

Dann reisten die Verwandten aus Miami ab, dafür kamen Ashley, Kirstin, Etienne und Emma: jugendliches Chaos mit UNO-Marathons, Styling und Fanta Rojita.


Silvester & Neujahr

Am 31.12. wurde das Haus zum Schönheitssalon. Piñata, ich war irgendwann einfach durch.

Am 01.01. Spaziergang mit Aura: El Jicaro ist still und friedlich.


Abschied & Managua

Am 04.01. Richtung Managua: Stopp bei Pollo Tip Top in Estelí.
Hotel Camino Real: Hitze, aufblasbare Schneemänner, Abschiedsschmerz.

Ein letzter Abend im Restaurant Casablanca mit riesiger Papageien-Voliere.

Ein Tag nur für mich: Pool, Kaffee, Schreiben. Die Prothese machte mir etwas Sorgen, aber ich habe die Reise geschafft.


Costa Rica als Kontrast

Teuer, perfekt vermarktet, viele US-Amerikaner. Imperial Zero, Gespräche, Begegnungen, Zeit mit Damaris’ Familie.


Fazit

Ja: Jetlag, Sturm, gereizte Stellen.
Aber diese Reise war reich: an Essen, Stimmen, Bildern, Begegnungen und an dem Gefühl, dass etwas gewachsen ist.

Ende 2028 will ich wieder hin.